Einführung: Laszlo Böszörmenyi
Der Weg des Logos, der Weg des Menschen
Der Logos war bisher zweifach an der Schöpfung tätig. Einerseits hat er sich in immer festere Formen gegossen, „verdichtet“, bis der Mensch im irdischen Bewusstsein in einem eigenständigen – wenn auch zunächst gespiegelten – Selbstbewusstsein erwachen konnte. Andererseits, als letzter Akt der göttlichen Schöpfung, ist er in die Tiefe der Seele des Menschen herabgestiegen. Im kalten Boden der Alltagsseele wartet der Logos-Samen darauf, dass der Mensch ihn entdeckt, „bewässert und wärmt“. Keimt der Logos in uns auf, verwandelt er uns zu einem neuen Schöpferwesen, das sich mit dem oberen Logos-Wesen bewusst vereint und damit die Erlösung der erschaffenen Welt vollendet. Das anzustreben, ist die aktuelle Aufgabe des Menschen. Alles andere ist Vorbereitung – oder Ablenkung.
Christine Gruwez
Gratwanderung zwischen Kommunikation und Kommunion
Als Menschen sind wir Grenzgänger zwischen dem Sagbaren und dem Unsagbaren.
Zwischen dem, was uns einladen will, uns der Vielfalt einer farbigen Welt hinzugeben und diese zu feiern – und dem, was sich in uns sammeln will. Denn Logos heißt ursprünglich „sammeln“. Ein Sich-Sammeln, das uns immer im letzten Moment wieder entfällt.
Wir bewegen uns hin und her in einem Niemandsland der Sprache. Was wir suchen, ist das, was über jedes Gesprochene hinausgeht und uns in den Bereich des Unaussprechbaren führen wird. Sollen wir denn schweigen? Und wie entfaltet sich aus dem Schweigen Kommunion?
Wolfgang Tomaschitz
Der sanfte Logos
Georg Kühlewind hat in einer Reihe früher Texte die Dialog-Philosophie des 20. Jahrhunderts (Ebner, Buber, Levinas) in seine Logoslehre integriert und damit ein wichtiges Element einer Ethik meditativer Praxis beschrieben, das bis heute zukunftsweisend ist. Er überschreitet dabei die Grenzen der traditionellen All-Einheitslehren in Richtung Offenheit und Überraschung, die jeder echten Begegnung eigen ist.
Salvatore Lavecchia
Die Gegenwart des Ich als freies Wehen des Geistes – Die Stimme des Logos in Wahrnehmen und Denken.
Grundlage wird die Charakterisierung des freien Wehens des Geistes im Gespräch zwischen Jesus und Nikodemus sein (Johannes 3.8). Sie deutet nämlich auf Qualitäten hin, die das wahrnehmende und denkende Ich heute bewusst in jeder Begegnung mit der Welt, das heißt in jeder Wahrnehmung und jedem Gedanken, offenbaren kann, jenseits aller Konditionierungen der Vergangenheit und aller abstrakten Vorwegnahme der Zukunft wirkend. Durch diese Qualitäten, die der Vortrag erörtern wird, wird das Ich immer mehr auf individuelle, schöpferische Weise die Gegenwart des Logos als sinnlich-übersinnliche Stimme gebären und mithin jede Begegnung mit der Welt zu einem stimmigen Verhältnis, zum Keim einer fruchtbaren Gemeinschaft verwandeln.
Christiaan Struelens
Weltenlogos und Menschenseele – Etymologisch leben lernen
Geistesgegenwart zu üben im wahrsten Sinn des Wortes war Georg Kühlewinds Anliegen. Er selbst pflegte den Johannes-Prolog („Im Ursprung war der Logos“) lebenslang als Hauptmeditation. Mit dem Dreischritt Geist-Erinnern, Geist-Besinnen und Geist-Erschauen zeigt die Grundsteinmeditation einen Weg, der den Logos-Keim im Herzen zur Entfaltung bringen kann. Vermächtnishaft erklingt das Wort in Rudolf Steiners letzter Ansprache: „Möge der Welten-Logos zum Menschheits-Logos werden“. Was kann unsere Antwort auf ein solches Wort sein, welche Verantwortung können wir da empfinden?
Schlussvortrag: Laszlo Böszörmenyi
Übungsgruppen als „Atmungshilfe“ für die erstickenden Seelen
Unsere Seelen ersticken im Eingeschlossensein in sich selbst. Um wieder seelisch „atmen“ zu können, müssen sich kleine Gruppen von Menschen zusammenfinden, die ihre eigene Unfähigkeit aufrichtig erkennen und aus dieser Erkenntnis heraus an der Rückkehr zu den gemeinsamen geistigen Quellen arbeiten. Allein schafft das kaum jemand, aber schon eine kleine Gruppe kann sehr weit kommen. Wir können uns gegenseitig dabei helfen, uns wieder zu öffnen. Schon ein kleines Fenster in der verschlossenen Seele genügt, um in der meditativen Arbeit „Luft und Licht“ hereinzulassen. Damit kann der Aufstieg des Logos in uns beginnen.